PfeifengraswieseAbgetaucht in der Pfeifengraswiese (v. l. n. r.): Thomas Schneider, Dr. Steffen Caspari, Stephan Strichertz, Dr. Theophil Gallo und Dr. Gerhard Mörsch. Foto: Pia Schramm

 

Die naturforschende Gesellschaft des Saarlandes, die Delattinia, veranstaltet jedes Jahr mit Unterstützung des Ministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz in einem anderen Landesteil den „Tag der Artenvielfalt“.

Die zehnjährige UNESCO-Anerkennung des Biosphärenreservats Bliesgau war ein guter Anlass, die Flora und Fauna hier genauer unter die Lupe zu nehmen. „Sitterswald war für viele der Experten bisher ein weißer Fleck auf der Landkarte und so gab es hier tatsächlich noch Seltenheiten zu entdecken“, stellte Bürgermeister Stephan Strichertz voller Stolz fest.

Die Fledermausexperten waren nach der gut besuchten Exkursion am Freitagabend und dem Fang von sechs Tieren, darunter auch ein schwangeres Weibchen des Großen Mausohrs, jedenfalls zufrieden.

In den Artengruppen der Amphibien, Libellen und Schmetterlinge war es eher unterdurchschnittlich, denn der eigentliche Erfassungstag am Samstag begann mit leichteren Regenschauern und das mögen weder die Libellen noch die Schmetterlinge.

Auch bei den Nachtfaltern waren die erfassten 140 Arten eher unterer Durchschnitt, allerdings warten hier und auch in anderen Artengruppen noch ein paar Gattungen auf ihre Bestimmung durch die Experten. Denn viele kleine Nachtfalterarten, Staubhafte, manche Käferarten und Köcherfliegen können nur mit Lupe und Mikroskop bestimmt werden, so dass die Experten sich auch noch Arbeit mit nach Hause genommen haben.

Die richtigen Highlights jedoch fanden die Botaniker: „Pfeifengraswiesen auf Kalk in der Qualität wie hier, mit einem großen Bestand des Breitblättrigen Knabenkrauts sowie einem kleineren Bestand des Fleischfarbenen Knabenkrauts, kennen wir sonst keine im Saarland“, sagten Steffen Caspari vom Zentrum für Biodokumentation und Thomas Schneider, Vorstandsmitglied der Delattinia.

Diese Orchideen waren für die Botaniker aber nicht mal die größte Überraschung, sondern ein Vorkommen der Roggen-Gerste, einer im Saarland sehr seltenen Grasart. Auf einem nahe gelegenen Acker wurden dann noch der im Saarland vom Aussterben bedrohte Acker-Hahnenfuß und weitere gefährdete Ackerwildkräuter nachgewiesen.

„Heute vermissen viele schon die Korn- und Mohnblumen, die früher in jedem Acker zu finden waren. Äcker, in denen auch noch Rote Liste-Arten vorkommen, sind natürlich etwas ganz Besonderes“, war sich deshalb auch Verbandsvorsteher und Landrat, Dr. Theophil Gallo, sicher. „Wir freuen uns deshalb jetzt schon, wenn in ein paar Jahren der Tag der Artenvielfalt erneut im Biosphärenreservat gastiert.“