Die rund 200 Jahre alte Stanhope-Presse, mit Hinweis auf ihren bedeutenden Nutzer auch Wirth-Presse genannt, wurde in der vergangenen Woche im Rahmen der „HomBuch. Das Lesefest 2026“ nach ihrer Aufarbeitung erstmals wieder in Betrieb genommen. Damit wurde im Siebenpfeifferhaus in der Homburger Innenstadt ein Stück Homburger Geschichte wieder lebendig.
Nach ihrer Rückkehr aus Regensburg, wo die historische Wirth-Presse im vergangenen Jahr als Exponat der Bayerischen Landesausstellung „Ludwig I. – Bayerns größter König?“ im Haus der Bayerischen Geschichte gezeigt worden war, wurde sie zuletzt von Klaus Meissner in der Tadano-Lehrwerkstatt in Zweibrücken aufgearbeitet und wieder betriebsbereit gemacht. Zwar steht die „Wirth-Presse“ seit vielen Jahren im Siebenpfeifferhaus, doch befindet sie sich im Eigentum der Stadt Homburg. Daher war Oberbürgermeister Michael Forster nicht nur zur damaligen Ausstellungseröffnung nach Regensburg gereist, sondern selbstverständlich auch nun mit dabei, als die Presse präsentiert wurde.
Zunächst hatten Vera Backes vom Team der HomBuch und Dekan Dr. Thomas Holtmann als Hausherr die zahlreichen Gäste, darunter auch Landrat Frank John, dessen Vorgänger Dr. Theophil Gallo und Clemens Lindemann, Bürgermeister Manfred Rippel sowie Giuseppe Nardi, den geschäftsführenden Gesellschafter der Naturwaren Dr. Theiss GmbH, dem Hauptsponsor der HomBuch, begrüßt. Dabei hob Dekan Dr. Holtmann hervor, dass das Siebenpfeifferhaus nicht nur kirchliche Einrichtungen beherberge, sondern auch ein Ort der Bildung und Kultur sei. Der Name sei zudem Aufgabe und Verpflichtung zugleich, für Demokratie und Zusammenhalt zu stehen.
Dann ging Martin Baus, der Geschäftsführer der Siebenpfeifferstiftung, auf die bewegte und teilweise noch unerforschte Geschichte der Presse ein, auf der Johann Georg August Wirth Anfang des 19. Jahrhunderts in Homburg Flugblätter gedruckt hatte. Dies führte auch dazu, dass der bayrische König den Begriff von der Presse als „Waffe der Demokraten schlechthin“ geprägt hatte. Wirth und Philipp Jakob Siebenpfeiffer gehörten zu den wichtigsten Vorkämpfern der deutschen Demokratie- und Freiheitsbewegung im Vormärz und waren die Hauptinitiatoren des Hambacher Festes 1832. Damit ist die Druckerpresse nicht nur ein besonderes Zeugnis der Homburger Stadtgeschichte, sondern steht auch für die Auseinandersetzung um Freiheit und Demokratie.
Von der Aufarbeitung der rund 880 Kilogramm schweren Presse berichtete Klaus Meissner sehr anschaulich. Er erinnerte daran, dass diese vom Zweibrücker Maschinenbauer Christian Dingler Anfang des 19. Jahrhunderts gefertigt wurde. „Die Presse weist sehr viele Spuren auf, die zeigen, dass sie viel genutzt, aber auch schlecht behandelt wurde“, so Meissner. Später muss sie allerdings falsch wieder zusammengebaut worden sein, denn die Nachbildung der Presse beim Freiheitsbrunnen Am Rondell zeigt sie zwar in ihrem damaligen Zustand, doch entsprach dieser nicht der ursprünglichen Konstruktion. Den Originalzustand hat der pensionierte Maschinenbauingenieur Meissner nun an einem Ort, der eng mit der Entstehungsgeschichte der Presse zusammenhängt, wieder hergestellt.
Oberbürgermeister Michael Forster äußerte sich sehr froh, dafür mit Klaus Meissner einen Fachmann gefunden zu haben, der nicht nur die notwendigen Kenntnisse, sondern auch eine persönliche Verbindung zur Zweibrücker Industriegeschichte und somit zu dieser Druckerpresse mitbringt.
Zum Programm rund um die Wiederinbetriebnahme der Presse gehörte auch die Enthüllung von zwei Plaketten mit jeweiligem QR-Code in einer Gemeinschaftsaktion des Saarländischen Rundfunks (SR), des Saarländischen Museumsverbands (SMV) und des Saarländischen Städte- und Gemeindetags (SSGT). Die Plaketten, von denen es nun rund 50 im Saarland gibt, gehören zum Projekt „SR-Beiträge an öffentlichen Orten im Saarland“ als Teil der Aktion „ARD-Content im öffentlichen Raum“. Sie geben Auskunft zum Siebenpfeifferhaus sowie zur historischen Druckerpresse.
Vom SR war Programmdirektorin Sonja von Struve vertreten, ebenso waren der Präsident des SMV, Dr. Roger Münch, und der stellvertretende Geschäftsführer des SSGT, Dr. Frank Matheis, anwesend und enthüllten die Plaketten. Mit den QR-Codes können Inhalte der ARD-Mediathek oder der Audiothek und somit Beiträge des SR vor Ort kostenlos abgerufen werden.
Unmittelbar nach der Präsentation der historischen Druckerpresse füllte sich auch der Saal des Siebenpfeifferhauses, denn zum Programm der HomBuch gehörte an diesem Abend auch eine Lesung von Ahmad Mansour.
Ahmad Mansour ist arabischer Israeli mit deutscher Staatsangehörigkeit. Der Diplompsychologe arbeitet in Projekten gegen Extremismus und engagiert sich gegen Antisemitismus. 2018 gründete er eine Initiative für Demokratieförderung und Extremismusprävention. Für seine Arbeit und Bücher erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, u. a. das Bundesverdienstkreuz und die Ehrendoktorwürde der Universität Basel.
Mansour trug aus seinem neuesten Buch „Haltung ohne Hass - Eine Aufforderung“ vor und stellte sich den Fragen des Moderators Peter König sowie des Publikums. Auch Oberbürgermeister Michael Forster verfolgte die Ausführungen des Autors.
Nach der ersten Vorführung der Presse stellten sich zum Gruppenbild auf: Martin Baus, Geschäftsführer der Siebenpfeifferstiftung, Klaus Meissner, Landrat Frank John, die Programmdirektorin des Saarländischen Rundfunks, Sonja von Struve, Oberbürgermeister Michael Forster, Hausherr Dekan Dr. Thomas Holtmann und der stellvertretende Geschäftsführer des Saarländischen Städte- und Gemeindetages, Dr. Frank Matheis (v. l. n. r.).
Oberbürgermeister Michael Forster (2. v. l.) konnte unter Anleitung von Maschinenbauingenieur Klaus Meissner (r.) mit der Druckerpresse das vorbereitete historische Motiv , ein Blatt mit einem Zitat von Siebenpfeiffer, erfolgreiche drucken.
Zahlreiche Gäste waren zur Vorstellung der aufgearbeiteten Druckerpresse ins Siebenpfeifferhaus gekommen. Oberbürgermeister Michael Forster (vorn links) war ebenso dabei wie Bürgermeister Manfred Rippel (hinten Mitte) und Martin Baus (vorn rechts), der Geschäftsführer der Siebenpfeifferstiftung.
OB Michael Forster begrüßte Ahmad Mansour im Siebenpfeifferhaus.
Bei der Lesung von Ahmad Mansur, links Moderator Peter König, waren alle Plätze im Saal des Siebenpfeifferhauses besetzt.