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„Wir sitzen alle in einem Boot!“ - Deutsch-Französischer Umweltaustausch fand in der Homburger Partnerstadt La Baule statt

Homburger Gruppe en retour mit Halt am Homburgplatz La Baule Escoublaque der in Blumen erstrahlt 24.4 Homburger Gruppe am Homburgplatz in La Baule-Esoublaque. Text und Fotos: Simone Lukas

22 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Saarpfalz-Kreis machten sich am 21. April auf eine lange Reise: Mit dem Bus ging es in die 900 Kilometer entfernte Partnerstadt La Baule. An der Atlantikküste erwartete die Delegation um die ehrenamtliche Verantwortliche für Städtepartnerschaften Homburgs, Simone Lukas, ein mehrtägiger Aufenthalt. Im Mittelpunkt stand die Umweltmesse „La Baule en Fleur“.

„Umweltschutz und ein pfleglich bewusster Umgang mit unserer Natur gehen uns heute umso mehr alle an und so sitzen wir auch mit unserem französischen Nachbarn in demselben Boot. Wir kämpfen mit denselben Problemen und Sorgen für unsere Gegenwart und Zukunft“, sagte Lukas zur Intention dieser Fahrt. So befanden sich unter der Reisegruppe neben den Naturfreunden besonders auch Verantwortliche und Mitglieder der Obst-und Gartenbauvereine des Kreises, der Landfrauen Einöd, des Ski- und Wandervereins Einöd, des Pfälzer Wald- und Wandervereins Erbach, der Vereine der Bliesgau-Biosphäre, der Ölmühle Einöd, des Bereiches Stadtgeschichte und –tourismus sowie Heilpraxen. Dazu kam bei allen Beteiligten die Lust, die Partnerstadt La Baule, Pendants in den Vereinen kennenzulernen, die alten Französischkenntnisse wieder aufzufrischen und deutsch-französische Freundschaft zu vertiefen.

Nachts ging es mit vielen deutschen Spezialitäten, Geschenken, Prospekten, Werbefahnen, Bäumchen und Pflanzen an Bord auf die lange Busreise, auf der es neben Croissants und Kaffee vom herzlichen Busfahrer auch erste Infos von der Reiseleitung zur spannenden Geschichte und den Besonderheiten der Zielregion gab. Am Mittag wurde man dann mit einem Begrüßungsimbiss in La Baule empfangen. Erste Gespräche folgten schnell auf einem gemeinsamen Spaziergang durch die Hauptmeile Avenue Charles des Gaules. Beim Blick auf die zahlreichen Ferien- und Wohnhäuser sowie Tourismusbauten stellten sich schnell Fragen zu einem gesunden Ökotourismus, nachhaltiger Energiebeschaffung, Meeresverschmutzung und Überfischung, Erhaltung und Schaffung von Baumbeständen, Erhalt der Sumpfgebiete und Salzfelder, Weiden und Agrarflächen – Themen, die in der französischen Partnerstadt aktueller denn je sind. Auch die 80 Windräder im Meer führten zu Diskussionen, die man auch in Homburg kennt.

Was die Reisegruppe lernte: Bäume werden insgesamt sehr geschützt, damit die Düne stabil bleibt und Biotope erhalten bleiben können. Der Borkenkäfer ist auch in La Baule seit einigen Jahren zu einer wirklichen Herausforderung geworden. Sachverhalte, die in beiden Partnerstädten zu Problemen führen und bei denen es schnell zu angeregten Diskussionen kam, zum Beispiel am Infostand der Umweltorganisation „Cap Atlantique“, aber auch beim Obst-und Gartenbauverein der „Prêsque Île“ unter der Leitung von Michel Lebars, der auf der französischen Seite erstmalig für die Homburger Gruppe die Austauschtage mitorganisiert hatte. Seit fünf Jahren ist dieser Verein quasi Standnachbar von Homburg bei der Umweltmesse „La Baule en Fleur“ und im ständigen interessierten Gespräch nicht nur mit Simone Lukas gewesen.

Der genannte Gartenbauverein mit seinem vielfältigen Programm hat auch ein Projekt mit neuen Gartenparzellen, die die Stadt La Baule zur Verfügung gestellt hat, in dem es feste Bereiche für Bäume und Sträucher alter Varietäten geben soll. Dazu auch einen Bereich mit typisch regionalen Kräutern und Weinstöcken. Beschlossen wurde spontan beim Austausch, dass eine Muscadetsorte künftig auch den Namen „Homburg“ tragen soll und La Bauler Familien sich selbst um eine kleine Parzelle kümmern können. Ein Muscadet-Weinstock wird als französischer Bruder seinen Platz in einer Homburger Parzelle finden.

Am Samstagabend wurden mit Mitgliedern des Gartenbauvereins, der Homburger Gruppe, Bürgermeister Franck Louvrier und der Umweltbeauftragten Annabelle Garand gemeinsam vier Bäumchen und weitere Reiser in diese neue besondere Großparzelle eingepflanzt. Homburg stiftete mit Unterstützung des deutsch-französischen Bürgerfonds eine Reneclode (15.Jh), die bereits mit ihren Blüten erfreute und einen Winter-Eisenapfel der Mosel (19. Jh.) sowie Stecklinge von Maulbeerbaum, Schwarznuss u.a. vom Obst- und Gartenbauverein Einöd. Auch die Meerrettichwurzeln des Vereins sowie französischer Pfirsich und Apfel fanden ihren sicheren Platz im Boden.

Lebars war sichtlich stolz und hob vor Bürgermeister und Presse die tiefe Symbolik für unsere deutsch-französische Freundschaft hervor. Diese wie auch die Bäume sollen gute Früchte tragen, darin waren sich alle einig! Gefeiert und vertieft wurde dies im weiteren Verlauf des Abends mit einer deutsch-französischen Feier mit alten und neuen Freunden, insbesondere des Gartenbau- und Wandervereins, treuen Helfern der Municipalité, Partnern der Feuerwehr und vielen weiteren mehr. Zum Rahmenprogramm gehörten die bretonischen Klänge der Musikgruppe „Woar Roak“, wozu spontan auch ein Gast aus Homburg seine Mundharmonika auspackte und mitspielte.

Deutsche wie französische Bioprodukte, Weine, Secco, Karlsberg-Bier und sogar selbst gemachter Kuchen und Eierlikör der Landfrauen wurden nebenbei verkostet und verspeist. Als Mitbringsel für die Homburger gab es das 100 Prozent Bio-Meersalz, das bei der Tourist-Info in Homburg erworben werden kann.

Am Morgen konnte sich die Delegation selbst noch von der Vielfalt an Gemüsesorten, aber besonders an Fisch und Meeresfrüchten auf dem Markt von La Baule überzeugen. Dann ging es auf die Umweltmesse in den Dryadepark von La Baule - Les Pins, wo mittags „La Baule en Fleur“ durch den Bürgermeister in Anwesenheit seiner Beigeordneten eröffnet wurde. Simone Lukas überbrachte hierbei die Grüße aus der Homburger Partnerstadt und verglich die Menschen selbst „mit bunten Blumen und ihrem individuellen Duft. Freundschaft, die als Samen in einen guten Boden gebracht, gepflegt und gezogen werden muss ist die Aufgabe, die heute immer aktueller wird und auch in der deutsch-französischen Kooperation das Engagement und Verantwortungsbewusstsein eines jeden erfordert“, so Lukas.

Der Sonntag stand im Zeichen der Geschichte der Region und der Biodiversität. Geschichtslehrer Olivier Lecorre ermutigte die Gruppe bei sehr wechselhaftem Wetter die pittoreske mittelalterliche Stadt Guérande mit ihrer Stadtmauer und den engen Gässchen zu besuchen. Parallel dazu nahmen Homburger Wanderfreunde an einer vom Wanderverein der Prèsque Île öffentlich organisierten Wanderung teil, die ehrenvoll dazu diente einem Jungen einen Rollstuhl zu finanzieren. Es ging auf Waldwegen und am Strand entlang. Die Mitglieder des französischen Wandervereins wurden auch direkt zum Gegenbesuch ins schöne Saarland eingeladen.

Pünktlich zum Nachmittag zeigte sich wieder die Sonne und somit konnte das Sumpfgebiet, die „Brière“, mit Boot und Wanderschuh erkundet werden. Natur- und Wanderfreund Dominique Aoustin erklärte seine Heimat, die auf eine besondere Eigenständigkeit bis ins frühe Mittelalter zurückblicken kann: Ein Paradies für Zugvögel, Wasserratten, Schafe und Pferde mit besonders geschützten Gebieten und Regeln im gemeinsamen Zusammenleben von Mensch und Natur. Parasiten gefährden leider auch hier die Landschaft und Tierwelt. Verbände versuchen durch einen gewissen Ökotourismus diese besondere Gegend zu schützen und zu pflegen. Einwohner haben besondere Rechte, aber auch Pflichten. So beeindruckten auch die kleinen Siedlungen mit ihren Ried gedeckten Häusern, Gärten und Ställen.

Einblicke in die Tradition, aber auch maritime Kunst und Kultur wurden der Gruppe besonders herzlich bereits am ersten Abend im Garten und Atelier des Künstlers Serge Boué gewährt, der die deutsche Gruppe sofort mit seiner Offenheit, seinem tiefen Sinn fürs Ursprüngliche und Maritime, seiner Kunst aus antikem Schiffsmaterial und gefühlsbetonten Malereien nebst seiner Künstlerkollegin Valérie Bélugue beeindruckte und das besondere Wochenende in einer außergewöhnlichen Region und seinen Menschen sensibel einführte. Derart endete auch der letzte Abend mit regionalen Spezialitäten und lockeren Gesprächen.

So gern die Gruppe auch geblieben wäre, musste sie am Montagmorgen doch die Rückreise antreten – aber nicht, ohne am Homburger Platz für ein Erinnerungsfoto zu halten und die dortige Blumenpracht zu genießen sowie sich noch mit Köstlichkeiten vom französischen Bäcker und Patissier für Fahrt und Familie einzudecken. Auf dem Heimweg hielten die Reisenden noch kurz an der Kathedrale von Reims.

Simone Lukas berichtet von einem gelungenen Austausch: „Diese Freundschaft muss unbedingt weitergeführt werden.“ Sie lädt hierzu jeden ein, neugierig und engagiert die besonderen Möglichkeiten von Städtepartnerschaften zu nutzen und zu unterstützen. Gern stellt sie Kontakte zu jeglichen Bereichen in allen Altersklassen her und hilft beim Übersetzen und Organisieren sowie Ideen für Projekte zu finden. Ein besonderer Verweis für Förderung gilt hierbei für über 30 Jährige dem deutsch-französischen Bürgerfond, der entsprechend dem Aachener Vertrag für die deutschen und französischen Bürger zur Vertiefung und Stärkung der deutsch-französischen Freundschaft und Kooperation eingerichtet wurde.

Infos und Kontakt zur Verantwortlichen für Städtepartnerschaften mit La Baule und Ilmenau Simone Lukas über die Tourist-Info Homburg in der Talstraße 57a oder per E-Mail: sim.lukas@web.de.

Eindrücke des Besuches:

beigeordnete la baule u. bürgermeister f. louvrier 2.v. rechts u. städtep.verantw. homburg s.lukas rechts vorn

deu frz. Obstbäume alter varietät werden von Gärtnern aus Homburg u. La baule hier l. Bürgermeister F.LOuvrier in Sonderparzelle gepflanzt

homburgstand la baule en fleur verkostung u. demonstration ölmühle einöd

Veröffentlicht am: 03.05.2023 | Drucken