Topaktuell

Briefwahlbüro ist geöffnet

Grünschnittannahme in Jägersburg am 1. Juni im ehemaligen Schulhof

Straßeneinbruch in Zweibrücker Straße führt zu weiteren Einschränkungen im Baustellenbereich

Forst bittet darum, Waldbesuche aufgrund der Regenfälle zu vermeiden

Tagesfahrt für Senioren am 12. Juni nach Reinheim abgesagt

Zum 100. Geburtstag von Edith Aron präsentierte Bürgermeister Michael Forster ein Lesebuch von Dr. Ralph Schock, das an die in Homburg geborene jüdische Schriftstellerin und Übersetzerin erinnert – Tochter Joanna Bergin Ehrengast in der Aula der Musikschu

Mit einem druckfrischen, 288 Seiten starken Lesebuch „Edith Aron: Auf Wegen und Pfaden“ - herausgegeben von Dr. Ralph Schock und erschienen im Conte-Verlag - erinnert die Stadt Homburg ganz aktuell an ihre einstige jüdische Mitbürgerin Edith Aron, die am 4. September 100 Jahre alt geworden wäre.

Bei der offiziellen Präsentation des Buches in der Aula der Musikschule am runden Geburtstag der Schriftstellerin, die am 25. Mai 2020 in London gestorben ist, meinte Bürgermeister Michael Forster: „Das schönste Denkmal, das ein Mensch bekommen kann, steht den Worten Albert Schweitzers zufolge in den Herzen anderer Menschen.“ Doch auch dem Autor Ralph Schock, der im weiteren Verlauf des Abends an persönliche Begegnungen mit dem Geburtstagskind erinnerte, sei es „auf wunderbare Weise gelungen, mit seinem Buch ein würdiges Postament für ein solches Denkmal zu schaffen und damit die Lebensleistung von Edith Aron zu würdigen“.

Dass dieses literarische Werk überhaupt in Angriff genommen und schlussendlich auch realisiert werden konnte, verdankt die Stadt Homburg dem Entgegenkommen von Joanna Bergin, der Tochter von Edith Aron. Die weitgereiste Sopranistin, die dem Abend, begleitet vom Londoner Pianisten William Hancox, mit einer gesanglichen Interpretation dreier von ihrer Mutter übersetzter und von Aribert Reimann vertonten Gedichten ganz besonderen und berührenden Tiefgang schenkte, war von Forster zuvor mit großer Herzlichkeit und Freude unter den geladenen Gästen – darunter auch die Vorsitzende der Synagogengemeinde Saar, Ricarda Kunger - begrüßt worden.

Forster sagte: „Es ist mir ein besonderes Anliegen, Ihnen verehrte Frau Bergin ganz herzlich dafür zu danken, dass Sie es uns überhaupt ermöglicht haben, dieses Projekt, das an Ihre Mutter erinnert, anzugehen. Sie standen unserem Plan von Anfang an wohlwollend gegenüber – ich weiß dies nur zu gut aus unseren ersten Kontakten, als ich Ihnen unsere Idee vorstellen durfte. Danke für Ihr Verständnis und Ihre offene Bereitschaft.“

Noch bevor Bergin in einer sehr emotionalen, mit den Worten „Happy birthday, liebe Mami“ begonnenen Retrospektive an die vor allem durch ihre Übersetzungen der Werke von Julio Cortazar, Jorge Luis Borges, Octavio Paz und anderer bekannte Autorin erinnerte – und auch daran, was sie von ihr alles über Homburg erfahren hatte -, hatte Forster einen Teil des Lebens der Edith Aron umrissen. Eingebettet in Erinnerungen und Anmerkungen zum jüdischen Leben in Homburg.

Die Geschichte jüdischen Lebens in Homburg und dessen Ursprünge sei schon viele hundert Jahre alt. Forster beschrieb: „Die wirtschaftliche und politische Integration in die Stadtgesellschaft war um 1900 weitgehend gelungen. 1933 lebten in Homburg 163 Menschen mit jüdischem Glauben. Dann folgten die unvorstellbar schlimmen Jahre, die das jüdische Leben in ganz Deutschland auslöschen sollten.“

Und Forster fragte: „Was hätte aus unserer Stadt, aus unserem Land werden können, wenn dieses jüdische Leben nicht ausgelöscht worden, sondern im Gegenteil zur Entfaltung gekommen wäre. In Kunst und Kultur, in der Wissenschaft, der Wirtschaft - was wäre nicht alles aus diesen oft wunderbaren, klugen, kreativen Menschen, die systematisch ermordet wurden, geworden? Was hätten sie geschaffen, welche Impulse hätten Sie gesetzt, was hätten Sie uns mitgegeben? Was hätten sie uns hinterlassen? Welch kostbaren Schütze hätten sie uns vererbt?“

Vielen Familien seien weder Angehörige, Erinnerungstücke oder irgendeine Form von Besitz geblieben, um die eigene Familiengeschichte fortzuschreiben oder an diese zu erinnern. Auch dies zeige den Schrecken und die Grausamkeit hinter der systematischen Vernichtung eines ganzen Volkes.

„Viele sind damals geflohen, aber nur wenige konnten sich in Sicherheit bringen oder wurden gerettet; und nur allzu wenige kehrten zurück, was mehr als nachvollziehbar ist“, beschrieb Forster. Edith Aron, die sich selbst nie als Flüchtling sah, wäre vermutlich auch ohne den Naziterror nicht in Homburg geblieben, mutmaßte der Verwaltungschef. Auch hätte sie eine Laufbahn als Übersetzerin und Schriftstellerin so, wie sie sie gelebt und erlebt hat, in Homburg vielleicht nicht erlebt. „Aber wer weiß, was aus ihr geworden wäre und welche Verbindungen sie mit und zu Homburg entwickelt hätte, wenn sie länger hier hätte leben können und wollen. Denn eine gewisse Verbundenheit zu Homburg war ja zeitlebens gegeben.“

Leider wüssten wir trotz zahlreicher Details immer noch viel zu wenig über den Menschen Edith Aron, bedauerte Michael Forster. Und zeigte auf, was von „dieser so besonderen und so starken Person“ bekannt ist.

„Wir wissen, dass sie am 4. September 1923 in Homburg geboren wurde – auf den Tag genau 100 Jahre später erinnern wir heute an sie. Wir wissen, dass ihre Eltern Sigmund und Elisabeth Aron, geb. Wolf, Mitglieder der jüdischen Gemeinde waren. Wir wissen auch, dass sich ihr Haus in der Oberen Allee 29/Ecke Keltenstraße befindet und dieses Haus, das wohl ehemals die Nr. 19 hatte, 1934 an Artur Klein verkauft wurde. Auch ist uns bekannt, dass Elisabeth Aron mit ihrer damals elfjährigen Tochter Edith im März 1935 nach Argentinien emigrierte, während Sigmund Aron in Südfrankreich überlebte. Nach dem Krieg kehrte Edith Aron kurzzeitig ins Saarland zurück. Weitere Lebensstationen waren Paris, Berlin und London, wo sie im Alter von 96 Jahren im Mai 2020 verstarb.“

Mit dem Zitat „Menschen schaffen Erinnerungen, nicht Orte“ der vor drei Monaten verstorbenen ghanaischen Schriftstellerin und Politikerin Ama Ata Aidoo schlug der Homburger Verwaltungschef den Bogen zum letzten Besuch Edith Arons in Homburg

„In diesem Bewusstsein sind wir dankbar dafür, dass Edith Aron 2003, als die im Jahr 2000 begonnene Sanierung der zerstörten Synagoge abgeschlossen war, als Ehrengast bei der Einweihung der Synagogenruine anwesend war und sich bei diesem Besuch in ihrer Geburtsstadt gemeinsam mit dem damaligen Oberbürgermeister Joachim Rippel in das Goldene Buch der Stadt eingetragen hat.“

Vom Goldenen Buch der Stadt zum aktuell präsentierten Lesebuch, um dessen Entstehung sich auch Michael Emser und Petra Simon sowie Karina Kloos verdient gemacht haben, war es für Forster nur ein kurzer Gedankensprung. „Ich weiß, dass Ihr Buch uns hilft, einige Wissenslücken im Leben von Edith Aron schließen zu können. Ich bin der sicheren Überzeugung, dass wir in Ihren Darlegungen auch dem Menschen Edith Aron ein wenig näherkommen. Dafür möchte ich mich bei Ihnen von Herzen bedanken“, sagte Forster an die Adresse von Dr. Ralph Schock.

Der erinnernswerte Abend wurde musikalisch umrahmt von Markus Lein (Violine) und Grigori Meschwelischwili am Klavier.

„Edith Aron: Auf Wegen und Pfaden – Ein Lesebuch“, herausgegeben von Dr. Ralph Schock ist im Conte-Verlag erschienen. ISBN 978-3-95602-264-7. Das Buch kostet 22 Euro.

Veröffentlicht am: 11.09.2023 | Drucken